Die evangelische Maria


Feierlicher Gottesdienst zur Reformation in Wallesau

WALLESAU — Mit einen feierlichen Gottesdienst, musikalisch vom Posaunen- und Kirchenchor Wallesau umrahmt, feierten die evangelischen Gemeinden Wallesau, Eckersmühlen und Hilpoltstein mit Pfarrer Bernhard Nikitka aus Eckersmühlen und Pfarrerin Verena Fries aus Hilpoltstein gemeinsam den Gedenktag der Reformation vor 500 Jahren in der Marienkirche zu Wallesau.

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Überschrieben war der besondere Gottesdienst mit „Die evangelische Maria“. Hierfür stellte die katholische Kirchengemeinde St. Elisabeth Eckersmühlen ihre Marienstatue zur Verfügung. Kirchenpfleger Karlheinz Heumann überbrachte die Grüße der katholischen Gemeinde. Die Madonna war nach einem Bombenangriff am 15. Januar 1945 in der völlig zerstörten Friedhofskapelle von Hilpoltstein unbeschädigt aufgefunden worden, berichtete Heumann.

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In ihrer Predigt erzählte Pfarrerin Verena Fries von einem Jugenderlebnis. Als 15-Jährige war sie zu Besuch bei der Freundin ihrer Mutter, die in einer ökumenischen Christusbruderschaft zölibatär lebte. Dabei sah sie über dem Hauseingang ein Bild einer Maria mit dem Jesuskind hängen. Sie war sehr erstaunt und fragte, „bist Du jetzt katholisch geworden?“. „Nein“ antwortete diese, „ich habe Maria, die Mutter Jesu, hier gemeinsam mit den katholischen Mitchristen ganz neu entdeckt. Maria war bereit, Jesus in die Welt zu tragen, obwohl das für sie damals bestimmt nicht einfach war, als schwangere und unverheiratete Frau. Maria ist für mich ein Vorbild geworden, denn sie hat sich bewusst für Gott entschieden“.

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Sie sei ihren Weg ganz im Vertrauen auf Gott gegangen. Selbst als ihr Sohn am Kreuz starb.“ Auch zu Zeiten Martin Luthers seien Menschen von der Angst überwältigt worden und suchten nach Sicherheit. Und wie Martin Luther habe auch Maria in ihren Ängsten mit Gott gesprochen und entdecken dürfen, dass „Gott barmherzig ist.“ Pfarrerin Fries stellte aber auch die Frage, ob wir Maria gerecht werden, wenn wir sie anbeten? Maria hat Christus in die Welt getragen, das hat sie uns vorgemacht. Das haben viel Christen vor uns getan. Nicht nur Martin Luther, auch seine Frau Katharina, Edith Stein, die Pfalzgräfin Dorothea Maria, die Katholikin Sophie Scholl und viele Namen könnte man noch nennen. Sie alle hätten gemeinsam mit Maria ihre Stärke von Gott bekommen und die Liebe Christi in die Welt getragen.

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Pfarrer Nikitka ging in seiner Predigt auf die Aufnahme Mariens in den Himmel ein. Er erläuterte, dass es sich hier nicht um eine weibliche Gottheit handle. „Die evangelische Maria zeigt uns mit großem Fingerzeig auf, dass Gott nicht streng ist und nicht einseitig männlich zu betrachten ist. Gott ist barmherzig, wie eine liebende Mutter.“ Nach der Predigt erklang durch den Posaunenchor das Lied „Maria breit den Mantel aus“. Mit dem Segen der Pfarrerin an die Gemeinde endete der festliche Gottesdienst und die Marienstatue fand wieder ihren Platz in der katholischen Kirche.

Text: K. Heumann in Roth-Hilpoltsteiner Volkszeitung, 03.11.2017, Seite 33
Fotos: K. Pfahler

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